Kreis-Sparkasse Northeim, Hauptstelle Northeim

Die neue Hauptstelle der KSN zeigt beispielhaft, welche Aufgaben zentrale Bankstandorte heute übernehmen können. Sie verbindet persönliche Beratung und digitale Möglichkeiten, schafft neue Qualitäten für Mitarbeitende und entwickelt gleichzeitig einen komplexen Gebäudebestand energetisch und technisch weiter.
Mit der Fertigstellung vom Untergeschoss bis zum ersten Obergeschoss im Februar 2026 ist ein wesentlicher Teil dieser Transformation bereits abgeschlossen. Bis Juni 2027 folgen das zweite und dritte Obergeschoss. So wird ein Gebäudekomplex, dessen Geschichte 1928 begann, nicht durch etwas Neues ersetzt, sondern konsequent weiterentwickelt.

Aus Bestand wird Zukunft.

Eine Hauptstelle umzubauen bedeutet heute weit mehr als eine gestalterische Modernisierung. Veränderte Kundenfrequenzen, zunehmende Digitalisierung, ein wachsender Stellenwert persönlicher Beratung, neue Anforderungen an Arbeitswelten sowie energetische und technische Fragestellungen verändern die Rolle zentraler Bankstandorte grundlegend.

3.000 Quadratmeter im Wandel

In einem Wettbewerb erhielt BancArt den Planungsauftrag für das Gesamtkonzept zur Umsetzung der Modernisierung und Sanierung der Hauptstelle. Die erste intensive Auseinandersetzung mit dem Gebäude begann bereits 2021. Mit rund 3.000 Quadratmetern Umbaufläche bei gleichzeitiger Erhaltung des Geschäftsbetriebs hat dieses Projekt großen Anspruch an allen Beteiligten. Untergeschoss, Erdgeschoss und erstes Obergeschoss wurden im Februar 2026 fertiggestellt. Die Modernisierung des zweiten und dritten Obergeschosses wird anschließend fortgeführt; der Abschluss ist für Juni 2027 vorgesehen.

Drei Baukörper, eine gestalterische Sprache

Eine der größten innenarchitektonischen Herausforderungen ergibt sich aus den Proportionen des Gebäudes. Mit rund 69 Metern Länge bei lediglich etwa 17 Metern Breite besitzt die Hauptstelle einen langgestreckten Grundriss bestehend aus 3 historisch gewachsenen Gebäudeteilen.

Was der Besucher heute als zusammenhängende Hauptstelle erlebt, besteht aus drei sehr unterschiedlichen Gebäuden. Altbau, Mittelbau und Neubau weisen verschiedene Deckenhöhen, Konstruktionen sowie unterschiedliche brandschutztechnische und statische Voraussetzungen auf.

Die Innenarchitektur musste auf diese drei Architekturen reagieren und sie gleichzeitig gestalterisch miteinander verbinden. Dafür wurde eine klassische und zeitlose Gestaltung entwickelt. Eine zurückhaltende Farbgebung, hochwertige Möbel und fein aufeinander abgestimmte Materialien schaffen eine harmonische Grundstimmung. Statt die vorhandene Architektur zu überformen, fügt sich die neue Gestaltung selbstverständlich in den Bestand ein. Die ruhige Farb- und Materialwelt vermittelt unaufgeregte Expertise, ohne protzig oder kurzlebig modisch zu wirken. Graffiti-Kunst, die denkmalgeschützte Fachwerkhäuser in Northeim abbildet, übersetzt Tradition in die Moderne. Ausgefeilte grafische Wandgestaltungen thematisieren die Region und ergänzen das Konzept. Auch die Corporate Identity der KSN findet sich bewusst in der Gestaltung wieder: CI-Farben und wiederkehrende Gestaltungselemente wie die Farbe Rot oder Moos-Oberflächen werden gezielt und in feinen Nuancen eingesetzt. So bleibt die ruhige, zeitlos-elegante Gesamtwirkung erhalten und zugleich entsteht für den Kunden eine klare Botschaft: Das ist die KSN – vertraut, regional verwurzelt und gleichzeitig modern interpretiert.

Vom Transaktionsort zur Beratungswelt

Die Anforderungen der Kunden an ihre Bankverbindung haben sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Neben der persönlichen Beratung, ausgerichtet an den individuellen Bedürfnissen der unterschiedlichen Kundensegmente, gewinnt die digitale Abwicklung von Standardprozessen zunehmend an Bedeutung – eine Entwicklung, die sich weiter fortsetzen wird. Für die Hauptstelle Am Münster 29 bedeutete dies, die vorhandene Flächenverteilung neu zu bewerten: Während die bisherige Kundenhalle für reine Serviceleistungen deutlich überdimensioniert war, bestand gleichzeitig ein wachsender Bedarf an individuellen Beratungszonen und Besprechungsräumen unterschiedlicher Größe.

Auch die vertriebliche Weiterentwicklung der KSN stellte neue Anforderungen an die räumliche Organisation. Durch die stärkere Vernetzung von Firmenkundenbetreuung und Private Banking können die privaten Beratungspotenziale auf Unternehmerseite gezielter erschlossen werden. Die zugrunde liegenden Vertriebskonzepte sehen deshalb eine räumliche Zusammenführung dieser beiden ertragsstarken Vertriebsbereiche vor. Die neue Flächenstruktur der Hauptstelle unterstützt damit nicht nur veränderte Kundenbedürfnisse, sondern bildet zugleich die strategische Weiterentwicklung der Beratung räumlich ab.

Besonders sichtbar wird der Wandel des Bankgeschäfts in den Kundenbereichen. Die klassische Bedeutung großer Schalter- und Transaktionsflächen nimmt ab, während persönliche Beratung bei komplexeren finanziellen Fragestellungen weiterhin eine zentrale Rolle spielt.

Die Hauptstelle reagiert räumlich auf diese Entwicklung. Beratung, Kommunikation und Aufenthalt erhalten mehr Raum und werden mit digitalen Möglichkeiten verbunden. Die technische Ausstattung der Beratungsbereiche ermöglicht beispielsweise, bei Bedarf weitere Spezialisten digital in Gespräche einzubinden. Die Digitalisierung ersetzt damit nicht den persönlichen Standort – sie verändert seine Funktion. Aus dem klassischen Ort für Transaktionen entwickelt sich zunehmend ein Beratungs-, Kompetenz- und Begegnungsort.

Eine neue Arbeitswelt für rund 180 Mitarbeitende

Die Transformation wurde jedoch nicht ausschließlich aus Kundensicht gedacht. Für rund 180 Mitarbeitende ist die Hauptstelle täglicher Arbeitsplatz – entsprechend hoch war der Stellenwert der internen Bereiche. Glastrennwände lassen Tageslicht weit in die Büroflächen hinein und schaffen eine offene Atmosphäre. Eine hochwertige Akustikplanung und ergonomische Möblierung sorgen gleichzeitig für die notwendige Ruhe und einen hohen Arbeitskomfort. Ein besonderer Bestandteil des Konzeptes befindet sich im Untergeschoss. Dieses ist als neue Arbeits-, Kommunikations- und Begegnungswelt für die Mitarbeitenden entstanden. Eine großzügige Küche bildet den zentralen Treffpunkt. Kicker und Billard schaffen bewusst informelle Angebote für Begegnung und gemeinsame Pausen. Gleichzeitig stehen Rückzugsbereiche für konzentriertes Arbeiten sowie Räume und Zonen für kleinere, fokussierte Teammeetings zur Verfügung. Damit geht das Konzept über den klassischen Mitarbeiter- oder Pausenraum deutlich hinaus. Unterschiedliche Tätigkeiten und Situationen erhalten unterschiedliche räumliche Angebote: Kommunikation ebenso wie Konzentration, Teamarbeit ebenso wie Rückzug und Erholung.

Gerade in Zeiten mobilen Arbeitens gewinnt diese Qualität an Bedeutung. Der Unternehmensstandort muss mehr bieten als einen Schreibtisch. Er wird zum Ort der Zusammenarbeit, der Begegnung und der Identifikation mit dem Arbeitgeber.

Energetische Sanierung: Zukunftsfähigkeit auch hinter den Kulissen

Die Weiterentwicklung der Hauptstelle beschränkt sich nicht auf die sichtbaren Flächen. Parallel zur innenarchitektonischen Transformation wurde auch die Haustechnik umfassend energetisch saniert. Die bisherige Gasversorgung wird durch moderne Wärmepumpentechnik ergänzt. Einen weiteren wesentlichen Baustein bildet eine Photovoltaikanlage auf dem Parkdeck. Der dort erzeugte Strom wird unter anderem für die Versorgung der Wallboxen genutzt; darüber hinaus erzeugte Energie fließt direkt in den Energieverbrauch der KSN ein. Damit verbindet das Projekt den Erhalt und die Weiterentwicklung bestehender Bausubstanz mit einer deutlichen Modernisierung der technischen Infrastruktur. Gerade bei einem Gebäudeensemble, dessen ältester Teil aus dem Jahr 1928 stammt, zeigt sich, dass Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit nicht zwangsläufig einen Neubau voraussetzen.

Bauen im Bestand – und im laufenden Betrieb

Eine der größten Herausforderungen des Projektes blieb für Kunden weitgehend unsichtbar: Die Hauptstelle wurde im laufenden Betrieb umgebaut. Gleichzeitig brachten die drei Bauzeiten sehr unterschiedliche Bestandssituationen mit sich. Insbesondere Brandschutz und Statik verlangten immer wieder individuelle Lösungen. Trapezblechdecken stellten sowohl brandschutztechnisch als auch statisch besondere Anforderungen. Hinzu kam, dass für Teile des Gebäudes kaum belastbare Bestandsunterlagen vorhanden waren. Manche konstruktive Situation zeigte sich deshalb erst während der Bauarbeiten. Umso wichtiger waren kurze Entscheidungswege und die enge Abstimmung zwischen Bauherrn, Planung, Fachplanung und ausführenden Gewerken. Auch die Baustellenlogistik war anspruchsvoll. Durch die unmittelbare Lage an der Fußgängerzone standen nur wenige Park- und Lagerflächen zur Verfügung. Innerhalb des fast 70 Meter langen Gebäudes konnte zudem nur ein Baustellentreppenhaus genutzt werden, wodurch teilweise erhebliche Lauf- und Transportwege entstanden.

Eine wesentliche Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung war die sehr gute und lösungsorientierte Zusammenarbeit der Gewerke. Ein großer Teil der Arbeiten wurde mit Betrieben aus der Region realisiert – und damit der regionale Gedanke des Projektes auch in der Umsetzung fortgeführt.